Die Perückentaube
Herkunft
Die Perückentauben wurden im 12. Jahrhundert durch holländische Seefahrer aus Indien nach Europa gebracht. Sie fanden in West- und Mitteleuropa eine sehr rasche Verbreitung und sind nun als eigenständige Rasse schon fast 400 Jahre bekannt. Die Perückentaube hat ihren heutigen Zuchtstand und Ihre Vollkommenheit aber erst Ende des vergangenen Jahrhunderts erreicht. Im Laufe der Zeit hat sie ihre Erscheinung und ihren Namen vielfach gewechselt. Namen wie "Cappers", Schleiertaube, Ratsherren, Jakobiner und Mähnentaube finden wir in der langen Geschichte der Perückentaube als Bezeichnung. Übrigens nennt man sie noch heute in England und Amerika "Jacobin" und in Holland und Belgien "Raadsher".

Gesamteindruck und Haltung
Der neue Standard verlangt einen mittelgroßen Körper mit aufgerichteter Haltung, die stolz und herausfordernd sein soll. Hauptmerkmal ist die durch enorme Federlänge auffallende runde Struktur und Stellung des Halsgefieders. Die Figur und Struktur sind bei allen sonstigen Anforderungen das wesentliche Rassemerkmal. Unter einem mittelgroßen Körper verstehen wir einen nicht zu kleinen, aber auch nicht zu klobigen oder gar breitbrüstigen Körper. Figur und Struktur müssen harmonisieren, richtig zueinander in Einklang stehen. Mit Bestimmtheit ist die Körpergröße unserer Rasse für eine feine Figur von ganz erheblicher Bedeutung. Perückentauben mit klobiger Figur fehlt gleichzeitig die Eleganz, der Stolz und das Herausfordernde, einfach das schönste Rassemerkmal. Auch allerbeste Struktur kann über solche rassischen Mängel nicht hinwegtäuschen.
Die Haltung ist sehr aufrecht. In dieser Stellung wird die Brust hoch herausgetreten und der Kopf gleichzeitig leicht nach hinten gedrückt. Die Beine sind in dieser Haltung auf das äußerste angespannt. Perückentauben in Paradestellung begeistern den Züchter immer wieder und zwingen diesen zum Verweilen im Taubenschlag. Selbstverständlich wollen wir keine Tiere, die in Paradestellung auf dem Schwanz aufsitzen. Die sogenannten "Schwanzreiter" sind verpönt. Als ausgesprochene Strukturtaube wird bei der Perückentaube besonderes Augenmerk auf die stolze Haltung mit schmalem und möglichst kurzem Körper gelegt. Auf diesem soll die eigentliche Perücke aufbauen und wie aus einem Guss formvollendet wirken, obwohl sie aus drei Teilen besteht. Mit der Forderung in der Musterbeschreibung im Körper möglichst kurz und schmal, setzt die Natur ihre natürlichen Grenzen. Einmal muss eine gewisse Körpergröße vorhanden sein, um der Rasse eine ästhetische Wirkung zu wahren. Zum anderen wird mit übertriebenem kleinem Körper auch die gesamte Federstruktur zu kurz, womit der Rasse der Hauptadel genommen wäre. Auch die Vitalität könnte darunter leiden. Eine gewisse Körpergröße muss damit ein Zuchtziel bleiben. Zu einer feinen Perückentaube gehört ferner ein langer Hals, denn nur an einem langen Hals kann sich das Hauptrassemerkmal, die Perücke voll entwickeln. Nun wird sehr oft angenommen, dass die längste Feder auch die Beste ist. Neben der Federlänge ist aber auch auf genügend Federdichte, sprich Federfülle der Strukturfeder zu achten. Was nützt eine lange Feder, wenn sie sperrig, dünn und dazu lückenhaft in der Mähne ist.
Kopf, Augen, Schnabel und Beine
Der Hinterkopf soll möglichst breit sein, damit wir eine breite Hutfeder bekommen. Die Stirn ist abgerundet. Alle Farbenschläge müssen perlfarbige Augen besitzen. Allerdings begnügen wir uns mit Perlaugen, die in der Iris weder gelb noch rot oder braun sind. Das dunkle Auge (sogenanntes Faulauge) oder gar auslaufende und eckige Pupillen sind grobe Fehler. Der Augenrand wird blass bis rötlich toleriert. Der Schnabel soll mittellang und kräftig sein. Der Oberschnabel ist hell, die Unterschnabelfarbe ist ohne Bedeutung, kann also auch dunkel oder angelaufen sein. Die Beine sind kurz bis mittellang. Tauben in bester Haltung wirken im Stand zuweilen etwas höher, als sie in Wirklichkeit sind. In Paradestellung, wenn die Tiere besonders erregt sind, ziehen sie den Körper besonders hoch. Dieses Merkmal ist ein Muss für den heutigen Zuchtstand. Denn Perückentauben die sich im Ausstellungskäfig nicht präsentieren, können bei allen anderen Vorzügen, nichts mehr gewinnen. Die Krallenfarbe ist ohne Bedeutung.
Hals, Rücken und Flügel
Der Hals der Perückentaube ist der Träger der Struktur, das tragende Fundament für Mähne und Kette. Perückentaubenzüchter wissen, dass die Qualität der Struktur mit der Halslänge eines Tieres steht und fällt. Der Hals kann niemals lang genug sein. Der Rücken der Perückentaube soll mittellang, schmal, weder gewölbt noch durchgedrückt sein. So wäre er ideal. Ist der Rücken dann fast abgedeckt, so ist es umso besser. Die Flügel müssen das Schwanzende fast erreichen, dürfen jedoch keinesfalls länger sein und nicht kreuzen. Sie müssen auf dem Schwanz aufliegen und sollen auf keinen Fall durchgebogen (sogenannte Säbelschwingen) sein.
Farbenschläge
Die Perückentauben werden in 12 anerkannten Farbenschlägen gezüchtet. Es sind die Farbenschläge Schwarz, Rot, Gelb, Blau mit schwarzen Binden, Blau ohne Binden, Blaufahl, Rotfahl, Gelbfahl, Getigerte in Schwarz, Rot und Gelb sowie einfarbig Weiß
Farbe und Zeichnung
Zu der außergewöhnlichen Struktur der Perückentauben kommt die aparte Mönchzeichnung. Bis auf die Weißen haben alle Farbenschläge diese Zeichnung. Weiß sind sechs bis zehn Handschwingen, der Schwanz mit Decke und Keil. Der Kopfschnitt verläuft unter dem Schnabel und nahe unter den Augen. Bei der Bewertung der Farbe sollte man nicht zu große Anforderungen stellen, denn Perückentauben sind keine Farbentauben. Sie haben die sogenannten Brieftaubenfarben. Die Farben sollten jedoch gleichmäßig rein sein und auf dem Flügelschild nicht allzu gehämmert erscheinen. Ob der Farbton etwas heller oder dunkler erscheint ist von untergeordneter Bedeutung. Bei den Roten und Gelben sind die farbigen Armschwingen nicht durchgefärbt. Sie zeigen einen Spiegel am Federende. Täubinnen dieser Farbenschläge dürfen eine hellere Bauchfarbe zeigen. Täuber dagegen müssen für höhere Wertnoten durchgefärbt sein. Getigerte haben möglichst gleichmäßig verteilte (nicht flächige) Zeichnung am ganzen Körper. Die Mönchzeichnung muss bei getigerten Tauben erkennbar sein. Das heißt, dass die Handschwingen in der Zeichnung nicht wechseln dürfen. Hier gilt ebenso wie bei den gemönchten sechs bis zehn Handschwingen weiß. Bei den Armschwingen kann jede Feder wechseln, wenn die erste Feder farbig ist. An der Brustpartie muss eine Tigerung erkennbar sein. Die sogenannte Schimmelfeder (nicht durchgefärbte Zeichnungsfeder) wollen wir in absehbarer Zeit aus unseren Zuchten verdrängen. Daher wird es auf Sonderschauen auf getigerte Tiere mit Schimmelfedern keine Höchstnoten mehr geben.
Zuchtstand
Keine andere Rassetaube hatte in den letzten 50 Jahren ähnliche durchgreifende Veränderungen durchzumachen, um das gesteckte Zuchtziel zu erreichen. Durch harten Züchterfleiß, mit immer regem Austausch von besten Zuchttieren unter den Mitgliedern im Sonderverein Deutscher Perückentaubenzüchter, gelang es den Züchtern, die Perückentauben von einer reinen Strukturtaube , die sich meist in gedrungener Haltung präsentierte, zu einer Taube zu züchten, die auf Ausstellungen durch Ihre Ausstrahlung, Eleganz und herrliche Struktur jeden Besucher in seinen Bann zieht. Nicht verschweigen wollen die Züchter, dass gerade innerhalb der vergangenen 10 Jahre Importtiere aus den USA bei der Zucht viele gute Dienste geleistet haben, um das Aussehen und den Charakter der jetzigen Perückentaube zu erreichen.
Zuchtstand der Farbenschläge
Zu einem der führenden Farbenschläge zählt derzeit der weiße Farbenschlag. Diesen züchten auch sehr viele Zuchtfreunde. In diesem Farbenschlag finden wir sehr feine Tiere in Figur, Haltung, Stand sowie enormer Federlänge. Jedoch die Federfülle und die punktförmige Rose sind zu verbessern. Der schwarze Farbenschlag begeistert durch eine enorme Federfülle, beste Hutfeder und lackreiche Farbe. Der Stand sowie die Federqualität müssen verbessert werden (zu haarige Feder). Figürlich haben sie sich in den letzten Jahren verbessert. Die Roten und Gelben Perückentauben begeistern mit rassigen Figuren und enormer Hals- und Federlänge. Sie sind momentan die führenden Farbenschläge. Zuchtziel muss hier ein noch korrekterer Strukturaufbau (besonders die Rose und der Kettenfederansatz) und eine federreiche Mähne sein.
Die getigerten Vertreter, besonders die Schwarzgetigerten, sind immer beliebt. Die Zucht dieser Farbenschläge wird immer ein Weg der kleinen Schritte sein. Die Spitzentiere sind den farbigen gleichzustellen. Wie schon vermerkt, muss die Zeichnungsfeder bei den getigerten durchgefärbt sein. Die Farbenschläge Blau mit Binden und Blau ohne Binden, die wir nicht sehr oft auf unseren Ausstellungen zu sehen bekommen, werden wahrscheinlich nie die Federlänge der Roten und Gelben Perückentauben erlangen. Diese Farbenschläge muss man eigenständig beurteilen. Figürlich und im Stand sowie in Farbe und Zeichnung gibt es beachtliche Vertreter. Zuchtziel muss eine noch geordnetere Strukturfeder (glattere Kettenfeder, höherer Sitz der Rose) und natürlich eine längere Strukturfeder sein, was besonders auf die Blauen ohne Binden zutrifft.
Im aparten Farbenschlag Gelbfahl ist in den letzten Jahren ein deutlicher Aufschwung in Quantität sowie Qualität feststellbar. Die besten Vertreter kommen in der Federlänge bereits an führende Farbenschläge heran. Die Feder dürfte dabei jedoch oftmals noch etwas stabiler sein. Auf ein reines Flügelschild und keine so blaue Bauchfarbe, besonders bei den Täubern, ist bei der Zuchtauswahl zu achten.
Unsere neuen Farbenschläge, die im Jahre 1996 anerkannt wurden, sind die Rotfahlen und die Blaufahlen. Etliche Zuchtfreunde züchten diese doch farblich sehr schöne Variante. Sie gehören ja eigentlich schon immer zu der Blaugruppe der Perückentaubenzucht. Viele Züchter hatten bereits immer wieder einmal mehr oder weniger Tiere dieses Farbenschlages in Ihren Stallungen, wenn sie die Tiere der Blaugruppe untereinander verpaarten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es bereits in beiden Farbenschlägen sehr feine Vertreter gibt. Natürlich fallen sie in den Farben noch nicht so konstant wie man es vielleicht gerne möchte, doch muss man bedenken, dass dies ja auch keine Farbentauben sondern Strukturtauben sind und sie Brieftaubenfarben haben. Man will jedoch versuchen sie einheitlicher zu züchten, das heißt wir wollen die rote Farbe in die Strukturfeder der Rotfahlen bringen und dies bei einem reinem Flügelschild das nicht zu blau ist. Die Figuren und den freien Stand sowie Halslänge und teilweise auch die richtige Federlänge ist bereits vorhanden. Sie sind in guten Züchterhänden und sie werden Ihren Weg machen.